Mittwoch, 8. Mai 2013


Das IST ist
Die ewige Diskussion um die Entstehung der Welt kennt aus philosophischer Sicht eigentlich zwei Extreme Positionen - mit Gott als Schöpfer und anderseits ohne ihn. Die Vertreter der zweiten Position sind vorwiegend bei den Physikern und Mathematikern (z.B. STEPHEN HAWKINS) anzutreffen. Sie wollen die Entstehung der Welt mit einem Urknall erklären. Beide Lager haben allerdings das gemeinsame Problem mit der Frage, was denn vor der Schöpfung, bzw. vor dem Urknall gewesen ist. Beide Lager verweisen auf ein NICHTS, aus dem heraus Gottes Schöpfung oder der Urknall erfolgt sein soll. Während die Bibel den Schöpfungsakt mit sechs Tagen beziffert, räumen ihm die Urknaller nur Bruchteile von Sekunden ein. Nach der neuesten Theorie des Physikers LAWRENCE KRAUSS, eines so genannten Gottesverleugners, wuchs das All in Sekundenbruchteilen auf die Größe eines Apfels und brauchte dann 14 Milliarden Jahre um sich zur heutigen Größe aufzublähen.
Wichtig ist jedenfalls - die Entstehung aus dem NICHTS!
Hier sind nun die Philosophie und der nüchterne Verstand gefragt: Gibt es ein NICHTS? Ist ein NICHTS denkbar? Kann aus dem NICHTS etwas entstehen oder erschaffen werden?
Der Volksmund sagt: Von nischt, wird nischt!
Aber so einfach wollen wir es uns nicht machen. Immerhin sind die Vertreter beider Lager hoch gebildete Leute - Doktoren, Professoren, Nobelpreisträger, Bischöfe, Päpste... - wenn die als Basis der Weltentstehung ein NICHTS akzeptieren, dann muss man den Unsinn wohl ernst nehmen.
Übrigens, der bereits genannter Gottesverleugner, LAWRENCE KRAUSS, hat sich da etwas Hübsches für das NICHTS ausgedacht. Er sagt, dass das NICHTS vor dem Urknall gar kein NICHTS war, sondern von Quantenfeldern restlos ausgefüllt war.
Er definiert also einfach das NICHTS ein bisschen großzügiger. Er meint, das NICHTS wäre eine Art brodelnder Einheitsbrei, der beständig Elementarteilchen wie Quarks oder Elektronen spuckt, und aus dem sich nach dem Urknall die Materie des Alls, das Universum, gebildet habe. Untermauert wird seine Theorie durch die noch unvollendete Theorie der Quantengravitation, die versucht, die Einsteinsche Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik zu kreuzen. Die Quantengravitation wäre dann die sagenhafte WELTFORMEL.
Süddeutsche Zeitung , 17.3.07 , THOMAS BÜHRKE:
"Die String-Theorie gilt heute bei vielen Physikern als die aussichtsreichste Quelle für eine 'Weltformel'. Dieses von manchen ersehnte mathematische Konstrukt soll eines Tages die bekannten Gesetze der Quantentheorie und der Allgemeinen Relativitätstheorie zur Quantengravitation vereinen und sämtliche Vorgänge in der Natur - von den kleinsten Elementarteilchen bis hin zu schwarzen Löchern und dem Urknall - beschreiben.
... Allerdings funktioniert diese String-Theorie mathematisch nur in neun oder zehn Raumdimensionen...Erst eine vereinheitlichte Theorie der Quantengravitation könnte den Beginn der Welt erklären."
Wenn man dieser Theorie auch gern folgen will, bleibt aber letztlich, dass das NICHTS eben kein NICHTS, sondern ein ETWAS war - nämlich besagter Quanteneinheitsbrei! Und zweitens bleibt doch wie immer beim Urknall die hinterlistige Frage - wer oder was hat ihn ausgelöst? Auch Zufälle brauchen eine Ursache!
Einige moderne Vertreter der göttlichen Schöpfungsidee, die sich infolge der wissenschaftlichen Erkenntnisse  DARWINs, EINSTEINs und anderer mit dem Zeitpunkt des Eingreifens Gottes in Genesis und Evolution immer weiter zurückziehen mussten, finden genau an dieser Stelle - der Ursache für den Urknall - ihre letzte Bastion: Wenn Gott schon kein Schöpfer der Welt, dann eben wenigstens Auslöser des Urknalls!
Aber wo hat er sich aufgehalten, bevor er aufs Knöpfchen gedrückt hat? Ob also Urknall mit oder ohne göttliches Eingreifen - immer wird die Frage nach dem VORHER provoziert!  
Was war vor dem Knall? NICHTS - nur Gott oder ein Einheitsbrei aus Quantenfeldern?
Entscheidend scheint für die Problematik, die Definition des NICHTS zu sein. Der Berliner Philosoph CLAUS-PETER EICHHORST sagt: "Das NICHTS ist logisch möglich, real aber unmöglich."
Aber halten wir uns doch erstmal an die Tatsachen, die nicht nur möglich sind, sondern die existieren und nicht bezweifelt werden können. Eine solche Tatsache ist, dass es die Erde gibt mit den Menschen und der Natur, dass es Sonne, Mond und Sterne gibt, Galaxien und das Weltall. Unanhängig von der Frage nach einem NICHTS gibt es also zweifelsfrei ein IST! Das IST ist!
Die idealistische Ansicht, dass das IST nur ein Produkt der menschlichen Vorstellung ist, können wir vernachlässigen. Nihilismus ist ein Denkspaß für Intellektuelle!
Nein, das IST ist und die Grundbausteine des IST - gleichgültig, ob sie schon bis ins letzte Detail erforscht sind oder nicht! - sind einheitlich. Die Elemente der Materie sind endlich und begrenzt. Selbst die entferntesten Galaxien bestehen aus der gleichen Materie wie unser Sonnensystem. Daraus, dass alles im Innersten so einheitlich ist,  lässt sich leicht schlussfolgern, dass es einen zentralen Schöpfungsakt geben müsse - eben mittels Urknall im Einheitsbrei oder durch Gottes Odem!
Nur das führt uns noch nicht weiter. Festzuhalten wäre aber - das IST ist überall gleich! Es gibt nur ein ALL, kein ÜBERALL!

Das IST ist ein Perpetuum mobile.
Die Ressourcen sind konstant. Nichts kommt weg, nicht kommt hinzu. Wo sollte es auch herkommen? Wo sollte es hingehen?
Ins NICHTS kann nichts gehen, weil es das nicht gibt.
Das Pendeln und Schwanken zwischen Chaos und Ordnung ist eine Eigenschaft des IST.
Und nur wenn man das in der energetischen Gesamtbilanz als konstant denkt, lässt sich die Existenz der Welt widerspruchsfrei erklären. Sobald man einen Verlust von Ordnung als Verlust an Energie denkt; oder sobald man ein Versickern des IST an den Grenzen zum NICHTS denkt, oder wenn man eine ständige Verdünnung des IST infolge Ausdehnung ins NICHTS denkt; immer wenn man das IST nicht als energetisch konstant denkt, kommt die Frage nach einem Ende des IST auf, womit selbstverständlich die Frage nach einem Anfang unweigerlich gekoppelt ist. Dann kommen die Fragen nach dem "Vorher" und dem "Nachher". Und dann bleibt einem aus der Not heraus, womöglich nur die Antwort, dass es die Welt eigentlich gar nicht gibt.
           
Man muss das IST auf seine grundlegenden Wahrheiten reduzieren. Die gelten im gesamten IST. Die sind nicht irgendwo in einem ominösen "Schwarzen Loch" beispielsweise anders, als auf der Erde. Sie sind immer gleich. Die Erde, so wie die Natur auf ihr, sind Produkte der allüberall gleichen Materie.
Man muss nicht unbedingt die letzten Bausteine der Materie zweifelsfrei beschreiben und ausmessen können. Man muss auch nicht alle galaktischen Nebel und Wirbel mathematisch erfassen können... - man muss nur wissen, dass alles, was es im IST gibt, von der gleichen Bauart ist und gleichen Gesetzen unterliegt. Auch wenn man die Gesetze noch nicht bis ins Letzte erkannt hat.

ALBERT EINSTEIN: "Raffiniert ist der Herrgott, aber nicht bösartig."

Gemeint ist - kompliziert ist die Materie und ihre Daseinsformen, aber sie ist nicht vorsätzlich codiert und unerkenntlich gemacht.
Was wir in den irdischen Dimensionen an der Materie beobachten können, würden wir überall an der Materie im Universum beobachten können, wenn wir denn wirklich auf Tuchfühlung an sie herankämen. Die Materie in irgendeinem Spiralnebel ist die gleiche, wie bei uns in Sachsen oder in Bayern. Die Unterschiede entstehen durch die Beobachtungsungenauigkeiten. "Schwarze Löcher", "Urknall", "Raumkrümmungen", "Wurmlöcher in der Zeitebene" und alle diese Dinge sind nichts als Rechen- und Messfehler. Mathematische Steißgeburten!
Die Vorgänge, die wir im Universum beobachten, sind von einer gigantischen Dimension und Komplexität und mit den deduktiven Methoden der Beobachtung nicht vollständig zu erfassen. Was bei dem Zusammenstoß zweier Galaxien abläuft, übersteigt unsere Vorstellungsmöglichkeiten. Billionenfache Sonnenmassen prallen aufeinander. Temperaturen von hunderten Millionen Grad. Da geschieht etwas, was sich niemand ausgedacht hat, was vielleicht zum ersten Mal so passiert (genau so), was nicht messbar ist, nicht überblickbar, nicht strukturierbar, nicht entschlüsselbar ist; was niemand verstehen kann, weil es keinen Grund hat und keinen Zweck. Unentwegt geschieht etwas, was für niemanden von Bedeutung ist. Das kann und muss man auch nicht unbedingt in Formeln und Theorien abpacken und einfrieren.
Doch trotzdem - das IST verhält sich "logisch". Deswegen müssen alle Aussagen über das Universum und seiner Bestandteile auch logisch sein.
Logisch bedeutet nicht etwas, was der Mensch erfunden hat, sondern Logik ist das Grundprinzip der Materie, mit der sie sich aus dem Chaos heraus bewegt, verändert und Strukturen entwickelt.
Der Mensch hat der Materie die Logik abgelauscht. Ihren Herzschlag! Der Mensch ist schließlich selbst nichts als Materie.
Die Logik, mit der das Mensch seine Computer füttert - die Software -, basiert auf dem Grundprinzip der Materie - ja / nein! Oder: Null und Eins! - genauso wie die Hardware.
Schon lange bevor man die Computer, oder die elektronischen Rechner, erfand, hatte man die Logik erkannt.
Die Formale Logik - ein kaum noch gelehrter Wissenschaftszweig - zeigt, dass sich alle Aussagen die es gibt, aus dem ja / nein Prinzip ergeben, bzw. auf dieses zurückführen lassen. Die Grundbausteine sind immer "ja" und "nein" oder "ying" und "yang" oder "null" und "eins"!

Die, die immer wieder betonen, dass man letzte Wahrheiten über das IST nie erfassen können, irren.
Die letzte Wahrheit haben wir längst - sie lautet: Das IST ist!
Zu allen Zeiten führten die Versuche der Denker, Dinge zu erklären, die man mangels geeigneter Beobachtungshilfsmittel noch nicht erkennen konnte, zu den ulkigsten Resultaten. Da sah man das Wirken von Geistern, Götzen und Göttern, dann gab es Unterwelten, Oberwelten, Himmel und Höllen und ewige Jagdgründe. Die Erde ruhte auf Elefanten, Schildkröten oder anderem Getier, welches stark genug erschien, die Erdscheibe zu schleppen. Heutzutage haben wir Zeitreisen, sich in andere Welten hinüber "beamende" Helden und einen lieben Gott, der sich vor den Urknall platziert hat.
Es gibt nicht den einen Urknall, vielleicht gibt es unzählige. Unzählige Urknalle, die immer wieder im IST neue Strukturen hervorrufen. Aber das sind keine imaginären Strukturen im Sinne von verschiedenen Geschichten je nach Beobachterstatus (oder ähnlicher Unfug), sondern tatsächliche Strukturen, die nebeneinander existieren - sich beeinflussen, werden und vergehen!

Fest steht:
Das, was wir von der Welt kennen, ist ein Teil des unendlichen IST. Und dieser kleine, überschaubare Teil funktioniert so, wie überall im All. Und es gibt manche Fehlinterpretationen von Erscheinungen, die man noch nicht genau begriffen hat.
Die heutigen Erklärungsversuche - und wenn sie noch so kompliziert und wissenschaftlich erscheinen mögen; alle diese mathematisch-physikalischen Konstrukte (auch die HAWKINGschen), versuchen Dinge zu erklären, die es nicht gibt und nicht geben kann, weil sie den Grundprinzipien des IST widersprechen.
Alle Erklärungen müssen mit den Erfahrungen der Menschheit grundsätzlich übereinstimmen. Sobald man Erklärungen benötigt, die nicht vorstellbar, nicht den Erfahrungen entsprechen,  müssen sie definitiv falsch sein.

Die Vorstellung von der Erde als Scheibe, die auf dem Rücken eines Elefanten ruhe, war nicht vorstellbar. Widersprach von Anfang an den Erfahrungen der Mensche. So große Elefanten konnte es nicht geben! Aber man sah einfach darüber hinweg - lieber eine falsche Erklärung, als keine!
Ähnlich mit Gott - lieber eine falsche Erklärung, als keine!

Der Mensch und sein Hirn sind Produkte dieser Welt, dieser Materie, dieses IST - Produkte dieser in der Materie obwaltenden Grundprinzipien von Logik und Ordnung. Der Mensch ist also allein deshalb grundsätzlich in der Lage und dazu begabt, die Dinge der Welt zu erkennen und zu begreifen, weil er auf Basis dieser grundsätzlichen Dinge selbst funktioniert. Das, was er nicht begreifen kann - nicht anfassen, nicht angreifen - muss trotzdem den begriffenen und auf der Hand liegenden Erkenntnissen entsprechen, weil es nur eine Welt - mit in ihr fest verankerten und unabänderlich wirkenden Gesetzmäßigkeiten - gibt.
Anthropisches Prinzip: "...das Universum müsse mehr oder weniger so sein, wie wir es sehen, denn wäre es anders, gäbe es niemand, der es beobachten könnte." (STEPHEN HAWKING / 2001)
Und alle diese wunderschönen Modelle, Theorien oder Hypothesen, die es gibt, benötigen für ihre innere Stimmigkeit bestimmte Annahmen, bestimmte Konstanten und Faktoren, ohne die die schönsten Formeln nicht aufgehen würden.
Damit beispielsweise eines dieser modernen Weltmodelle, welches irgendwer in die Welt gesetzt hat,  nicht "explodiert", muss man beispielsweise eine "Schwarze Materie" annehmen. Früher nannte man das wohl Äther. Es sind immer erst die so genannten "Annahmen", die das theoretische Kraut fett machen.
Die Formeln der Welterklärung werden sogar auch von ihrer ästhetischen Seite beurteilt. Sie müssen stimmig, rund, harmonisch und im Abgang würzig sein - dann empfindet sie der Physiker als "schön"!
"In den grundlegenden Theorien mussten wir unsere Konzepte schon so oft ändern, dass wir jetzt nicht mehr fragen, ob eine Theorie die Wirklichkeit wiedergibt, sondern nur, ob sich aus ihr ein gutes mathematisches Modell der Beobachtungen ableiten lässt. Theorien mit mehr als vier Dimensionen erklären eine Reihe der beobachteten Eigenschaften des Universums sehr elegant..." (STEPHEN HAWKING / 2001)
In dieser - sagen wir - spekulativen Physik wird der Eindruck erweckt, als seien im Universum Dinge möglich, die auf der Erde nicht vorkommen können. Zeitreisen erscheinen möglich! Wiedersehen mit der verstorbenen Verwandtschaft und was der unerfreulichen Dinge mehr sind. Blödsinn, Freunde!
Möglich werden die Spekulationen der Physiker durch die Messungenauigkeiten, die sich zwangsläufig ergeben, wenn man Erscheinungen des Mikro- oder Makrokosmos erfassen will, was schließlich nur mit indirekten hoch komplizierten physikalischen Methoden möglich ist. Die zwangsläufigen Messungenauigkeiten lassen mathematische Interpretationen zu. Kaffeesatzleserei ist dagegen eine seriöse Wissenschaft.
Immerhin - das sei positiv angemerkt - hat man in der Quantentheorie die "Unschärferelation" erkannt, die besagt: Je genauer man die Position eines Elementarteilchens bestimmen und messen will, desto ungenauer misst man seine Geschwindigkeit und umgekehrt.
Zugegeben sei natürlich, dass es sicherlich viel Spaß macht, sich solche Sachen wie Wurmlöcher in der Zeit auszudenken. Die Sciencefictionschriftsteller sind für jede neue Anregung dankbar.

Nun müssen wir aber noch die Grenzen des IST definieren. Anfang und Ende! Was ist außerhalb des ISTs?
Nochmals sei betont: Aus NICHTS kann nichts anderes entstehen als wieder NICHTS. Wenn aus dem NICHTS etwas entsteht, dann war es kein NICHTS, sondern dann muss es IST gewesen sein.
Nur aus IST kann etwas entstehen - etwas, was in seiner Grundbeschaffenheit der Grundbeschaffenheit des IST identisch ist.
Nebenbei - keine Energie verschwindet aus dem IST, weil das IST kein anderes IST neben sich hat, wohin die Energie verschwinden könnte. Es gibt nur das eine IST. Und es gibt kein NICHTS. Das NICHTS ist das NICHTS, weil es nicht existiert. Es ist das Gegenteil vom IST. Und nur das IST existiert. Das IST ist!
Würde man nun ein NICHTS zulassen und es denken, käme es zu einer Grenze zwischen IST und NICHTS. An dieser Grenze müsste das eine das andere aufheben. Das NICHTS müsste das IST verNICHTen.
Oder das IST müsste das NICHTS verISTen.
Und das würde permanent so geschehen müssen. Also müsste das IST irgendwann zur Neige gehen. Der Urknall ist schließlich auch keine Urquelle, die ständig für Nachschub sorgt!
Eine Auflösung des IST ins NICHTS zu einer Art verdünntem IST ist ebenfalls nicht denkbar, weil dies in letzter Konsequenz auch zu einer Auslöschung des IST, zu einer Versickerung im NICHTS führen würde. Das aber widerspricht der unbezweifelbaren stabilen, wenn sich auch in ständiger Veränderung befindlichen Existenz des IST.
Weder vor dem Schöpfungsakt, noch danach ist ein wirkliches NICHTS denkbar. Auch den KRAUSSschen Quanteneinheitsbrei muss man sich wohl - wenn man ihn denn spaßeshalber denken will - unendlich vorstellen und ohne Grenzen zu einem NICHTS - sonst wäre es mit dem Brei schnell vorbei! Die Frage nach der Initialzündung für die Entstehung des Universums bleibt sowieso immer noch offen.
Alle denkbaren Berührungen von IST und NICHTS haben die unmögliche Konsequenz der Endlichkeit des IST und somit die Notwendigkeit, irgendwann einen Anfang gehabt zu haben. Bleibt nur die eine Möglichkeit - es gibt kein NICHTS! Nirgendwo! Nirgendwann! Nie!
"Die Gesetze der Physik geben an, wie sich ein Anfangszustand im Laufe der Zeit entwickelt..... und... wir müssen die Anfangsbedingungen - die Randbedingungen - kennen....
Die Randbedingung des Universums ist, dass es keinen Rand hat." (STEPHEN HAWKING / 2001)
Keinen räumlichen und keinen zeitlichen Rand!
Es ergibt sich nach allen bisherigen Erwägungen die eigentlich höchst einfache Feststellung, dass das Universum existiert - und zwar  existiert es schon immer, hatte keinen Anfang, wird kein Ende haben, weder räumlich noch zeitlich, und es befindet sich in ständiger Veränderung und hat dabei schon die wunderbarsten Dinge hervorgebracht - Galaxien, Sonnensysteme... und biologische Wesen, die sich selbst reflektieren und nach der Beschaffenheit der Welt fragen können... - unfassbar!
Wobei - Veränderung darf man nicht mit Entwicklung verwechseln. Entwicklung ist ein gerichteter Prozess, bei welchem der Endzustand eine höhere Struktur besitzt als der Anfangszustand. Zum Beispiel wenn sich Materie zu einer Galaxis entwickelt. Oder zu lebendigen Organismen. Entwicklungsprozesse sind räumlich und zeitlich begrenzt. Das IST insgesamt entwickelt sich nicht.
Wenn aber im IST eine Entwicklung einsetzt, wenn sich Strukturen bilden, die eine Tendenz zu größerer Komplexität und Kompliziertheit besitzen, wird aus IST ein SEIN, weil diese sich entwickelnde Struktur eine Zeit besitzt - nämlich die nur ihr zugehörige Zeit. ZEIT bedeutet, dass ein, wenn auch nicht von vornherein berechenbarer, so doch vorhandener Abstand zwischen Entstehen und Vergehen existiert; zwischen Geburt und Tod; zwischen vorher und nachher!
SEIN = IST + ZEIT - das ist die Weltformel!
Das chaotische, unstrukturierte IST hat keine ZEIT. Das IST ist! War immer, wird immer sein! Und Gott?
Gott kann endlich aus der unschönen Verantwortung als Schöpfer der Welt entlassen werden. Er kann nun sein, was er schon immer war - eine gute Idee! Gott ist die wichtigste Idee, die die Menschheit bisher hatte!
(Siehe dazu: "Allmächtiger" STEPHAN DETTMEYER / www.sachsenmeyer-blogspot.de)
 Einschließlich seiner Vorgänger ( heidnische Götzen, antike Götterschar etc.pp.) ist Gott die wichtigste Voraussetzung für die Sozialisierung der Menschen und damit der Menschwerdung überhaupt. Ohne ihn gäbe es die Menschheit nicht. Die Frage, ob Gott existiert, ist unwichtig. Wichtig ist, dass der Glaube an seine Existenz existiert! Atheismus ist eh nichts für schwache Nerven!

Stephan Dettmeyer / Mai 2013



Samstag, 2. Februar 2013


Allmächtiger!

oder

Ohnmächtiger Gott - eine traurige Idee!

Die Frage nach der Existenz Gottes ist seit Jahrhunderten immer wieder gestellt worden. Gottesbeweise gibt es en masse. Auch Gegenbeweise!

Eine viel interessantere Frage scheint mir allerdings:
Wenn man als Atheist weiß, dass es keinen Gott gibt, der Welt und Mensch erschaffen hat, welche Rolle hat dann der Glauben an Gott - oder der Irrglauben - bei der Menschwerdung gespielt?

Gäbe es die Menschheit ohne Gott? Können wir ohne Gott existieren?

oder noch anders gefragt: Gäbe es die Menschheit ohne den Glauben daran, dass ein Gott existiert?
War Gott also eine gute Idee für die Menschheit?
Und von Marx wissen wir ja, dass eine Idee, die von den Massen ergriffen wird, zur materiellen Gewalt werden kann.

Bisher gibt es nur die unvereinbare Gegenübersetzung - entweder Gott als Schöpfer von Welt und Menschheit - oder aber eben völlig ohne Einfluss auf Evolution und die Menschwerdung!

Für alle, die an einen Gott (oder Götter oder Götzen... oder...) als Schöpfer allen Irdischen und Überirdischen glauben, ist die Frage natürlich schnell beantwortet. Alles ist Gottes Werk! Gott ist der Schöpfer!  Punkt!

Wie steht es aber mit uns Atheisten? Haben wir eine Antwort auf die Frage?
Wenn wir mit Charles Darwin davon ausgehen, dass sich die Menschheit aus dem Tierreich heraus erfolgreich entwickelte und sich durch Sozialisation als "the fittest" gegen alle Feinde durchsetzen konnte, wo ist dann die Schnittstelle zu Gott?

Ein Problem (in Anlehnung an Richard David Precht): Wer ist Gott und wenn ja wie viele? - sei im Weiteren ausgeblendet, bzw. auf die Grundeigenschaft von Gott  reduziert: Gott ist einer (oder eine Gruppe von Göttern), der nach Überzeugung  derer, die an ihn glauben, außerhalb und unabhängig der Menschenwelt (irdischen Realität) existiert und auf das Leben der Menschen Einfluss nehmen kann.
Die in der Menschheit aktuell vorhandenen Vorstellungen von jenem (oder jenen) überirdischen Wesen, der/die das Schicksal der Menschen bestimmen, sind so mannigfaltig wie zu vorchristlichen Zeiten. Die Götter der Ureinwohner im Amazonasurwald dürften den altgermanischen Göttern ähnlicher sein, als dem modernen christlichen Gott. Wobei auch kaum einer sagen kann, wie der eigentlich ausschaut - der moderne Gott!
Die kindliche Vorstellungen vom "lieben Gott", der auf einer Wolke sitzt und uns von oben zuschaut, scheint dabei immer noch die beliebteste und häufigste zu sein. Und zwar religionsübergreifend!
 Besonders zählebig ist diese kindliche Vorstellung bei der Trauerbewältigung. Wenn ein nahe stehender Mensch stirbt, wird mit erstaunlicher Hartnäckigkeit das Bild beschworen, dass der Verstorbene von nun an - an der Seite Gottes sitzend - unser Tun und Treiben von oben betrachten und beurteilen wird. Selbst Profifußballer widmen ihre Tore mit inbrünstigen Gesten gen Himmel der verstorbenen Mama oder dem hingeschiedenen Papa... oder... oder eben direkt dem "lieben Gott" der geholfen hat, das Tor "reinzumachen"!
Auch erfolgreiche Manager kennen zweifelsohne solche Gesten, werden sie aber nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur heimlich verwenden, wenn ihnen wieder mal ein großer Coup gelungen ist.

Infolge des Wirkens von Immanuel Kant kann nun eine Wende in der Fragestellung nach der Existenz Gottes konstatiert werden. Die neue, sehr pragmatische Fragestellung laute nicht mehr, ob er existiert, sondern: Ist Gott eine gute Idee für mich?

Diese Frage bedeutet:
Egal, wer oder was Gott ist - egal, ob es ihn gibt oder nicht - Hauptsache, es ist mir nützlich, wenn ich so tue, als würde ich an ihn glauben!
Ist das denn dann noch Glauben? Ist das dann nicht bereits Atheismus?

Anderseits - wäre es eigentlich so schlimm, wenn wir uns darauf einigen könnten, dass Gott nur eine marketingstrategische Idee ist? Gott als pragmatischer Ansatz für den Erfolg, für die Karriere, für die Trefferquote?

Ja, es wäre schlimm. Und das ist es schon seit Menschengedenken!

Es mag blasphemisch klingen, aber machen wir uns doch schnell bewusst, dass die Verwendung Gottes als Spießgeselle objektiv immer im Spiele ist - und seit Urzeiten schon immer im Spiele war! -, wenn Menschen nach Erfolg streben.
Man betete schon immer zu seinem jeweiligen Gott, um Erfolg, um den Sieg im Kampf gegen die andere Sippe, um Gesundheit, um die Torschützenkrone... und bedankte sich im Erfolgsfall gebührend! Frühere Gesellschaften unterstützten Anbetung und Danksagung mit entsprechenden Opfergaben.
Den pragmatischen Gott gibt es also in der Praxis schon lange vor Kant. Gott als Helfer, als Handlanger und Butler in den alltäglichen Kämpfen um Leben und Überleben. Fast alle Kriege wurden im Namen eines Gottes geführt.
Dieser Gott tut es auch heutzutage noch! Er ist quadratisch, praktisch - unkaputtbar! Eben einfach eine gute Idee!

Gegen diesen religiösen Pragmatismus mögen sich gläubige Menschen wehren (und  vielleicht  schon immer gewehrt haben), die ihren Gott als höheres Prinzip humanistischer Seligwerdung verstehen möchten; sie werden ihn - diesen Pragmatismus - mit Sicherheit als das Ende aller Religion empfinden, aber es bleibt dabei - der Gott als persönlicher Bodyguard, als Glücksbringer und Seligmacher... - und dazu noch als Gastgeber für das Leben nach dem Tod! - ist die Massenbasis aller Religionen. Besonders natürlich der vorzivilisatorischen, die noch keine Religionen im Sinne des Begriffs waren.
Den pragmatischen Gott gibt es, seit es menschenähnliche Wesen gibt, die sich sozialisiert haben und kommunizieren können und miteinander konkurrieren müssen.

Die heutzutage vermeintlich verstärkte Rückkehr und Besinnung der Menschen auf den pragmatischen Gott - der eine gute Idee für mich ist und mir hilft, Erfolg zu haben! - ist eine Tendenz, die daraus resultiert, dass der allmächtige Gott, der mir ins Gewissen schaut, ziemlich lästig sein kann, wenn man Moral und Gesinnung weit hinter sich lassen muss, um die nächsten Millionen zu scheffeln. Ein Investmentbanker, der die Folgen seiner Zockerei für viele kleine Anleger berücksichtigt oder an die Hungersnot in Afrika denkt, die seine Spekulationen mit Lebensmittelpreisen auslösen können, und im christlichen Sinne der Nächstenliebe frönt, ist schlechthin so undenkbar, wie ein vegetarischer Tiger.
Der pragmatische Gott ist mit der Idee der so genannten "freien Marktwirtschaft" genauso verknüpft, wie mit den "Gesetzen des Dschungels" oder der "Spielregeln globaler Finanzströme". Ein allmächtiger Gott wäre echt belastend!

Die Mechanismen des Marktes (des Existenzkampfes der Individuen und gesellschaftlichen Gruppierungen), das ewige Roulett, welches ohne Regeln und absolut gesetzlos funktioniert (die Floskel von den "Gesetzen des Marktes" hat sich längst als solche entlarvt!), zwingt infolge der wachsenden Härte der Kämpfe um die begrenzten Ressourcen der Erde zu einer Rechtfertigungsreligion. Man braucht die Siegermentalität! Den Killerinstinkt vor dem Tor! Herr hilf  - aber nur mir!

Die Islamischen Reiterhorden waren deshalb in den kriegerischen Auseinandersetzungen immer erfolgreicher als andere, weil sie einen Gott hatten, der ihnen nach dem Tod als Märtyrer, im Himmel ein paar Dutzend Jungfrauen bereitstellte, bzw. legte. Mit dieser Idee ließ sich gut kämpfen und sterben.

Übrigens -  die Ausstattung der Götter, ihre Machtbefugnisse und Vorlieben, die ihnen von den Gläubigen zugestanden und angedichtet werden, sind von entscheidender Bedeutung. Gesellschaften sind wahrscheinlich häufiger an den Eigenschaften ihrer Götter ausgestorben, als an Krankheiten und Seuchen. Die Götter der Mayas waren hinsichtlich ihres Bedarfs an Menschenopfern einfach zu gierig. Der Gott Martin Luthers anderseits gab dem Mensch der Renaissance Tatkraft und Würde. Der islamische Gott war eine historische Bremse für die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise.
Genauere Untersuchungen der Wechselwirkung von Gottesbild (sprich Religionsausprägung) und erfolgreicher wirtschaftlicher Entwicklung liegen zahlreich vor.

Ist aber damit schon bewiesen, dass die Menschheit ohne Gott nicht hätte entstehen können?
Ist allein der pragmatische Gott die Existenzbedingung für Menschheit? Weil er einfach schon immer mit dabei war? Von Anfang an!
Natürlich nicht.
Eher im Gegenteil. Dieser - nennen wir ihn weiterhin den pragmatischen Gott, obwohl der Begriff doch weitestgehend euphemistisch ist! - ...dieser pragmatische Gott war und ist eine Gefahr für die Menschheit. War eine Gefahr von Anfang an und ist es heutzutage für den Fortbestand der Menschheit.
Der Kampf zwischen allmächtigem Gott und pragmatischen Gott hat immer stattgefunden. Und nur der allmächtige Gott  macht eine Gruppe stark. Der allmächtige Gott ist der soziale Beton, das Fundament jeder sozialen Gemeinschaft.
Die „Fitness“ einer Gruppe  wird von vielen Komponenten beeinflusst. Der richtige Gott, ist  die wichtigste!
Der Glauben an einen Gott (oder mehrere Götter) war ein wesentlicher Moment bei der Sozialisierung frühmenschlicher Gruppen. Die Ausstattung der jeweiligen Götter - Befugnisse und Aufgaben - waren entscheidend für die Nützlichkeit der Götter für die Fitness der jeweiligen Gruppe.
Die Götter als moralische Instanz sind für alle Phasen der Menschheitsentwicklung von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche und geistige Kreativität einer Gesellschaft.

Denn: Der Mensch ist zuerst ein soziales Wesen. Nur in sozialer Verbindung kann er existieren! Die Dialektik von Individuum und Gesellschaft ist kompliziert, aber fest steht, dass die Relationen stimmen müssen. Welche Relationen das sind, wieviel an Individualismus eine Gesellschaft aushält, ist nicht berechenbar. Die Gesellschaft, die sich am Ende als „the fittest“ herausstellt, hatte jedenfalls die beste Relation.

Das wichtigste für die Entstehung der Menschheit war m.e. die Idee eines Gottes, der unabhängig und außerhalb der irdischen Realität existiert und über das soziale Zusammenleben der Gruppe und dessen Regeln wacht. Es war der Glauben daran, dass er (oder sie! Der Monotheismus ist eine späte Findung der Menschen.)... dass er allmächtig existiert! Und dass er in seiner Existenz wirklich allmächtig ist - in Bezug auf Leben und Tod!
Ein ohnmächtiger Gott ist wirkungslos hinsichtlich seiner sozialen Funktion als moralischer Richter!
Gott muss auch in die Köpfe der Menschen hineinhören können! Er muss den Menschen ein Gewissen machen können! Ein gutes oder ein schlechtes!
Der Mensch muss glauben, dass ihn Gott kontrollieren und auch noch nach dem Tod zur Rechenschaft ziehen kann. Dieser Glaube war die wichtigste Voraussetzung für die Sozialisierung der Menschen, für ihre "Fitness"!
Die pragmatische Seite Gottes darf nicht dominieren. Die soziale „Kompetenz“ Gottes ist die wichtige.

"Süddeutsche Zeitung" Nr. 119 vom 25.5.02:
In einem Artikel "Sie säen nicht und kentern doch" wird - eine Debatte über die Modernität von Kirche zusammenfassend - festgestellt:
"Sloterdijk, Habermas und Joschka Fischer unterscheiden sich im Rang, den sie dem Christentum zusprechen, einig sind sie sich in der Diagnose: Eine vollkommen entchristlichte Welt wäre barbarisch. Wenn kein Individuum sich dem anderen verbunden weiß durch den gemeinsamen Schöpfer, wenn niemand daran glaubt, davon redet und danach handelt, dass jedem Menschen das Heil fest zugesagt ist..., dann vertrocknet die Gesellschaft zur gnadenlosen Nützlichkeitswüste."

Der Glauben, dass Gott für mich nur eine gute Idee sei, die mir hilft, erfolgreich zu sein, fördert den Individualismus. Entkoppelt den Einzelnen aus dem sozialen Verbund.
Die Wirkung von Gott auf die "Fitness" der jeweiligen gesellschaftlichen Gruppe ist nur möglich, wenn wirklich an seine Existenz geglaubt wird. Gott lediglich als Idee begreifen, führt zur Rechtfertigung individueller Gier und Machtstrebens.

Dann lieber einen radikalen Atheismus.

Denn, so wie der echte Gläubige auf die Kontrolle seines Gottes zurückgeworfen wird, so wird der Atheist auf die Gnadenlosigkeit des menschlichen Daseins zurückgeworfen. Dem Atheist bleibt angesichts der Trostlosigkeit einer unendlichen Welt nur die Wärme einer Gruppe - einer solidarischen Gesellschaft. Und Eigenkontrolle! Wenn er Achtung vor sich selbst haben will, muss der Atheist so handeln, dass er von anderen geachtet wird. Der Kantsche Imperativ! Er muss sozial und human handeln. So wie der Gläubige, der Anerkennung vor seinem Gott finden will!

Menschheit und Sozialisierung begann jedenfalls mit dem Glauben an die Existenz eines Gottes oder mehrer, der oder die die Regeln für das Zusammenleben der Gruppe festgeschrieb/en und überwachte/en. Und je fester dieser Glauben in der jeweiligen Gruppe verankert war, desto stärker war diese Gruppe in ihrem Zusammenhalt nach außen. Gottesglaube ist eine Strategie der Evolution, ein gefährliches Instrument gegen andere. Falscher Gottesglaube rächt sich.
Welcher Glauben richtig oder falsch ist, zeigt das Ergebnis - wer überlebt hat, hatte den richtigen Glauben; hatte solche Vorstellungen vom Zusammenleben der Gruppe, die die Gruppe hat stark sein lassen. Ächtung von Inzucht oder Sodomie, Schutz der Mädchen, Achtung der Alten, Nächstenliebe... etc.pp.

Und wenn wir also nun nach einigen hundert Jahren Diskussion um die Existenz Gottes (und seiner Kollegen) nicht mehr so fest an Existenz und Allmacht glauben können... - was nun? Wenn der allmächtige Gott, wie Nitzsche erkannte, tot ist? Wer hält das Böse auf? Wer hilft dann der humanen Vernunft zum Sieg?
Ist eine Wiederbelebung des Allmächtigen - der Glaube an seine Allmacht - möglich? Wohl kaum.
Im Islam existiert er noch als gesellschaftliche Konstante! Unumstritten! Wohl auch im Buddhismus und anderen Religionen außerhalb der westlichen Zivilisation.
Sind das die kommenden "fittesten" Gesellschaften, die noch an den Allmächtigen glauben?

Uns Zweifelnde bleibt womöglich nur die Hoffnung auf einen gnadenlosen Atheismus.

Denn die Evolution hat mit der Globalisierung nicht aufgehört. Welche Gesellschaft ist heute „the fittest“? Das wird sich herausstellen - wie immer in der Evolution - am Ende.

Fest steht aber, die bisherige „Fitness“ der Menschheit an sich als Ganzes in ihrer Konkurrenz zur feindlichen Natur ist wesentlich ein Ergebnis des Glaubens an einen allmächtigen Gott. Der Mensch würde ohne diesen Gott nicht existieren. Nicht Gott schuf den Menschen, sondern der Mensch erschuf sich den allmächtigen Gott und damit sich selbst als allmächtiges Wesen!

Stephan Dettmeyer
2013

Dienstag, 28. Februar 2012

Ein Prediger im Schloss Bellevue

Predigen hat für mich als aufgeklärten Heiden im 21.Jahrhundert immer leicht unterschwellig auch die Bedeutung von "aufschwatzen", jemandem etwas so oft eintrichtern, bis niemand mehr weiß, was eigentlich gemeint ist.
Nun haben wir einen (ehemals) berufsmäßigen Aufschwätzer (demnächst) als Bundespräsidenten. Auch Freiheitsprediger genannt! Joachim Gauck.
Es geht das Gerücht, dass ihm die Herzen der Bundesbürger wie im Sturm zufliegen würden, bzw. zugeflogen seien. Er sei die Lichtgestalt des Volkes. Alle lieben ihn. Oder jedenfalls die Mehrheit.
Ja, ich halte das für ein Gerücht. Wenn man mich fragen würde... - aber mich hat man schlauerweise nicht gefragt.
Wenn sich jedenfalls ein Prediger auf die alte Schindmähre "Freiheit" schwingt und den armen alten Klepper durch alle Gassen treibt, dann erfasst mich großes Mitleid. Wenn weder Ross noch Reiter weiß, wo man hin will, wird der Ritt zur Lachnummer.
Wieso fällt mir jetzt das Bild von Don Quichote ein? Der hat doch gegen Windmühlen gekämpft - aber im guten Glauben, es seien echte Feinde!
Gauck hingegen weiß doch, dass die Feinde seiner oft beschworenen Freiheit keine Windmühlen sind. Oder sollte er noch dümmer sein, als die Polizei es erlaubt?
Ich werde von ihm nun nicht gleich erwarten, dass er die freiheitsbeschränkende Macht des Kapitals begreift... nein! Aber ein Mann Gottes, jemand, der Vertreter einer Religion ist, muss doch wenigstens merken, dass er, wenn er seine Religion predigt, nicht Freiheit predigt! Religion ist das Gegenteil von Freiheit. Religiös sein, bedeutet - sich den Regeln und Werten der Religion ein- und unterordnen!
Übergreifend kann gesagt werden, dass alle Individuen, alle Menschen aller Religionen und Gesellschaften, sich entweder den Spielregeln und Werten der herrschenden Religion - man kann auch Kultur sagen - anpassen oder eben anecken und nicht selten "abgesondert" werden. DAS WAR SCHON IMMER SO!
Das ist bei den Naturvölkern im immergrünen Regenwald nicht anders als in den USA. Wer sich nicht anpassen kann oder will, wird die Macht der Mehrheiten kennen lernen.
Der Mensch ist primär ein soziales Wesen. Nur als soziales Wesen kann er seine  Individualität definieren - sein ICH finden!
Sicher gibt es in den multikulturellen Gesellschaften der modernen Zivilisation zwangsläufig (man kann nicht jeden Tag einen Ausländer killen!) ein hohes Maß an Toleranz gegenüber Denk- und Lebensformen, die eigentlich nicht im Wertekanon der Gesellschaft verankert sind, aber dieses Maß an Toleranz wird mit einem wachsenden Maß an Werteverlust, schwindender nationaler Identifikation und sinkendem Kulturniveau bezahlt.
Von Friedrich Engels kommt der Spruch - Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit!
Man kann wohl auch sagen: Anpassung macht frei!
Auch ein Prediger des Herrn sollte bemerkt haben, dass der Herr keine Götter neben sich duldet!
Wenn man also von Freiheit schwätzt, sollte man wenigstens wissen, dass Freiheit kein absoluter Wert ist, dass Freiheit immer relativ ist. Der Mensch strebt auch nicht unbedingt nach Freiheit, sondern nach Geselligkeit - nach Freunden, nach Familie und Partnern.
Wieviel Freiheit verträgt eigentlich der Mensch? Der Begriff "vogelfrei" sagt diesbezüglich viel aus.
Die ganz große Freiheit, die mit dem ganz großen Geld einher kommt, soll ja übrigens auch nicht so ganz glücklich machen! Eher einsam und geizig.
Und wenn man den Zwängen des Marktes ausgesetzt ist, und sie auf Gedeih und Verderb beachten muss, dann ist das Gerede von Freiheit doch auch ziemlich blödsinnig.
Und wenn wir über die Unfreiheit in der ehemaligen DDR reden wollen, dann sind wir ganz schnell bei der Frage, was da falsch gelaufen ist. Nicht bei der Antwort, dass das System auf Unfreiheit gegründet gewesen wäre. Umgekehrt! Die so genannten "Unfreiheiten" - vorweg die Verweigerung der Reisefreiheit - haben das System unterminiert und zu Fall gebracht.
Übrigens - das Maß an Freiheit (= Abweichungen von der herrschenden Kultur!), welches eine menschliche Gruppe, eine Gesellschaft, ein Staat seinen Mitgliedern straffrei zubilligt, ist sehr unterschiedlich und keine Konstante. Es hängt mit Sicherheit zusammen mit der ökonomischen und militärischen Stärke der jeweiligen Gruppe. Schwache Gruppen sind gezwungen, auf strikte Einhaltung der kulturellen Regeln zu achten, um nicht noch schwächer zu werden. Freiheiten sind eingeschränkt!
Starke Gruppen/Gesellschaften können sich Abweichler und Sonderlinge leisten. Und so gesehen wird die deutsche Gesellschaft den Freiheitsprediger Gauck, wohl ohne größeren Schaden zu nehmen, verkraften.

Freitag, 9. September 2011

Grundregeln der Demokratie


GRUNDREGELN  DER  DEMOKRATIE
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Vorbemerkung: "Demokratie" bedeutet soviel wie Volksherrschaft. Dabei bleibt offen, ob  "Herrschaft  des Volkes", oder eher "Herrschaft über das  Volk" gemeint ist.

1.Regel: In einer Demokratie regiert eine Regierung, die durch freie und geheime Wahlen gewählt wird. Wählen darf jeder erwachsene Bürger, der wahlberechtigt ist. Die Befähigung zur Wahl wird nicht geprüft.
Deshalb: Wähle froh und dir zum Scherz, dann fühlst du niemals Schmerz !

2.Regel: Die Partei, die in die Regierungsverantwortung durch Volkes Stimme berufen sein möchte, muss dem Volk vor der Wahl genau das versprechen, was das Volk von einer Regierung erwartet, aber was keine Regierung erfüllen kann, wenn sie erst an der Regierung ist, denn was das Volk erwartet, ist niemals das, was volkswirtschaftlich notwendig und ökonomisch möglich ist.
Merke: Keiner kann gezwungen werden, ein Versprechen zu halten, denn jeder kann sich schließlich mal versprechen.

3.Regel: Der Spitzenkandidat einer Partei muss nicht besonders intelligent sein, und benötigt auch kein übertriebenes Rechtsbewusstsein. Aber selbstverständlich muss er intelligent wirken und ein ausgeprägtes Rechtsbewusstsein zur Schau stellen. Die Kleidung sollte er dem Geschmack der Zielgruppe, vor der er sich produzieren will, anpassen.
Denn: Wer das Hemd wechselt, braucht deshalb noch längst nicht die Gesinnung vorzuzeigen.

4.Regel: Die Regierung, die vor einer Wahl in der Regierung befindlich ist, muss den Eindruck hervorrufen, als könne keine andere Regierung besser regieren. Sie muss deutlich machen, dass ein Regierungswechsel in die Katastrophe führen würde.
Die Partei, die die Regierungsgewalt erringen möchte, muss es schaffen, sich als den Retter der Nation darzustellen. Sie sollte es vermeiden zuzugeben, dass sie in Regierungsverantwortung nur Unwesentliches anders entscheiden würde, als es die aktuelle Regierung tut.
Achtung: Lieber große Töne spucken als zugeben, dass man unmusikalisch ist.

5.Regel: Die Partei, die bei den Wahlen die meisten Stimmen erhalten hat, muss (allein oder in Koalition mit anderen) regieren. Das Volk, dass die Stimmen gab, ist dann sprachlos und kann nicht mehr mitreden, wenn die Regierenden regieren.
Die Partei, die nicht regieren darf, geht in die Opposition.
Anmerkung: In der Opposition ist man gegen alles, was die Regierung tut, selbst wenn die versehentlich etwas Richtiges tut.


6.Regel: Die Regierung, die bei den nächsten Wahlen wieder gewählt werden will, darf niemals durchblicken lassen, dass die Entscheidungen, die gefällt werden, nicht vorherrschend im Interesse des kleinen Mannes (genannt: Otto Normalverbraucher), sondern im eigenen Interesse  gefällt werden. Dieses Eigeninteresse besteht bei den Regierenden darin, denen, die bestimmen, wie und was regiert wird, zu gefallen, damit sie vielleicht am Ende ihrer Regierungszeit zu eben jenen aufrücken können, die bestimmen, was die Regierenden zu regieren haben.
Vorsicht: Auf der Schleimspur der Kriecher besteht akute Rutschgefahr!

7.Regel: Die herrschende Partei muss einen konsequenten Kampf gegen jeden politischen Gegner führen, sollte aber vermeiden, zu viele aus dem Felde zu schlagen, da sonst das eigene Spiel für den Zuschauer durchschaubar wird.
Motto: Viel Gegner, viel Ehr.

8.Regel: Wenn man als Partei eine Wahl verliert, darf man den Wählern nicht sagen, dass sie falsch gewählt haben, denn der Wähler kann nur falsch, kann niemals richtig wählen, weil es ja keinen gibt, der die Interessen des Wählers vertreten könnte. Und es gibt keinen, weil der Wähler die eigenen Interessen nicht kennt.
Wichtig: Vertritt ein Interesse, welches die Wähler haben könnten, wenn sie eins hätten.

9.Regel: Während in einer Diktatur nur die Ideologie des Diktators und seiner Clique geduldet wird, gibt es in der Demokratie auch andere Ideologien, die von den demokratisch legitimierten Regierungsideologen nicht geduldet werden, aber nicht ausgerottet werden können, sosehr sich es diese auch wünschen würden.
A und O: Jeder darf die Meinung der Regierenden ungestraft vertreten, wenn er vorwärts kommen will.

10.Regel: Die Demokratie kann jederzeit in eine ordentliche Diktatur übergeleitet werden, wenn nur genügende Mehrheiten zustande kommen. Und um solche hinreichenden Mehrheiten zu mobilisieren, braucht die Partei, die die uneingeschränkte Herrschaft anstrebt, lediglich an die patriotischen Gefühle der Wähler zu appellieren.
Parole: Wir sind Sachsen, wer ist mehr?
(Das Wort "Sachsen" ist je nach territorialer Gegebenheit auszuwechseln. Zum Beispiel: Wir sind Kleinkleckersdorfer, wer ist mehr?)

11. Regel: Wer gegen die Demokratie polemisiert, ist automatisch ein Honecker-Fan und ehemaliger Informant der Stasi.
Beachte: Gib erst zu, dass Du wirklich ein Zuträger warst, wenn Du Deine Ministerpension im Sack hast.

12. Regel: Ein Abgeordneter ist einer derjenigen einer Partei, die im Parlament oder in einer anderen Bürgervertretung immer dann den Arm heben, wenn ein Antrag ihrer Partei zur Abstimmung gelangt. Ansonsten glänzen sie durch Abwesenheit, Schwatzhaftigkeit und Taubheit gegenüber den Argumenten der Abgeordneten anderer Parteien.
Hinweis: Ein Abgeordneter sollte sich niemals wegen der  Höhe seiner Bezüge schämen.

13. Regel: Das Parlament ist der Ort, wo alle gewählten Vertreter des Volkes ab und an vollständig beisammen sitzen und Schicksal spielen.
Bedenke: Der Begriff "Parlament" kommt nicht von "Parlaver" bzw. "Palaver" wie man die Ratsversammlung bei Negerstämmen nennt, sondern von parlieren, was zu gut Deutsch "schwätzen" heißt.

1991