GRUNDREGELN DER DEMOKRATIE
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Vorbemerkung: "Demokratie" bedeutet soviel wie Volksherrschaft. Dabei bleibt offen, ob "Herrschaft des Volkes", oder eher "Herrschaft über das Volk" gemeint ist.
1.Regel: In einer Demokratie regiert eine Regierung, die durch freie und geheime Wahlen gewählt wird. Wählen darf jeder erwachsene Bürger, der wahlberechtigt ist. Die Befähigung zur Wahl wird nicht geprüft.
Deshalb: Wähle froh und dir zum Scherz, dann fühlst du niemals Schmerz !
2.Regel: Die Partei, die in die Regierungsverantwortung durch Volkes Stimme berufen sein möchte, muss dem Volk vor der Wahl genau das versprechen, was das Volk von einer Regierung erwartet, aber was keine Regierung erfüllen kann, wenn sie erst an der Regierung ist, denn was das Volk erwartet, ist niemals das, was volkswirtschaftlich notwendig und ökonomisch möglich ist.
Merke: Keiner kann gezwungen werden, ein Versprechen zu halten, denn jeder kann sich schließlich mal versprechen.
3.Regel: Der Spitzenkandidat einer Partei muss nicht besonders intelligent sein, und benötigt auch kein übertriebenes Rechtsbewusstsein. Aber selbstverständlich muss er intelligent wirken und ein ausgeprägtes Rechtsbewusstsein zur Schau stellen. Die Kleidung sollte er dem Geschmack der Zielgruppe, vor der er sich produzieren will, anpassen.
Denn: Wer das Hemd wechselt, braucht deshalb noch längst nicht die Gesinnung vorzuzeigen.
4.Regel: Die Regierung, die vor einer Wahl in der Regierung befindlich ist, muss den Eindruck hervorrufen, als könne keine andere Regierung besser regieren. Sie muss deutlich machen, dass ein Regierungswechsel in die Katastrophe führen würde.
Die Partei, die die Regierungsgewalt erringen möchte, muss es schaffen, sich als den Retter der Nation darzustellen. Sie sollte es vermeiden zuzugeben, dass sie in Regierungsverantwortung nur Unwesentliches anders entscheiden würde, als es die aktuelle Regierung tut.
Achtung: Lieber große Töne spucken als zugeben, dass man unmusikalisch ist.
5.Regel: Die Partei, die bei den Wahlen die meisten Stimmen erhalten hat, muss (allein oder in Koalition mit anderen) regieren. Das Volk, dass die Stimmen gab, ist dann sprachlos und kann nicht mehr mitreden, wenn die Regierenden regieren.
Die Partei, die nicht regieren darf, geht in die Opposition.
Anmerkung: In der Opposition ist man gegen alles, was die Regierung tut, selbst wenn die versehentlich etwas Richtiges tut.
6.Regel: Die Regierung, die bei den nächsten Wahlen wieder gewählt werden will, darf niemals durchblicken lassen, dass die Entscheidungen, die gefällt werden, nicht vorherrschend im Interesse des kleinen Mannes (genannt: Otto Normalverbraucher), sondern im eigenen Interesse gefällt werden. Dieses Eigeninteresse besteht bei den Regierenden darin, denen, die bestimmen, wie und was regiert wird, zu gefallen, damit sie vielleicht am Ende ihrer Regierungszeit zu eben jenen aufrücken können, die bestimmen, was die Regierenden zu regieren haben.
Vorsicht: Auf der Schleimspur der Kriecher besteht akute Rutschgefahr!
7.Regel: Die herrschende Partei muss einen konsequenten Kampf gegen jeden politischen Gegner führen, sollte aber vermeiden, zu viele aus dem Felde zu schlagen, da sonst das eigene Spiel für den Zuschauer durchschaubar wird.
Motto: Viel Gegner, viel Ehr.
8.Regel: Wenn man als Partei eine Wahl verliert, darf man den Wählern nicht sagen, dass sie falsch gewählt haben, denn der Wähler kann nur falsch, kann niemals richtig wählen, weil es ja keinen gibt, der die Interessen des Wählers vertreten könnte. Und es gibt keinen, weil der Wähler die eigenen Interessen nicht kennt.
Wichtig: Vertritt ein Interesse, welches die Wähler haben könnten, wenn sie eins hätten.
9.Regel: Während in einer Diktatur nur die Ideologie des Diktators und seiner Clique geduldet wird, gibt es in der Demokratie auch andere Ideologien, die von den demokratisch legitimierten Regierungsideologen nicht geduldet werden, aber nicht ausgerottet werden können, sosehr sich es diese auch wünschen würden.
A und O: Jeder darf die Meinung der Regierenden ungestraft vertreten, wenn er vorwärts kommen will.
10.Regel: Die Demokratie kann jederzeit in eine ordentliche Diktatur übergeleitet werden, wenn nur genügende Mehrheiten zustande kommen. Und um solche hinreichenden Mehrheiten zu mobilisieren, braucht die Partei, die die uneingeschränkte Herrschaft anstrebt, lediglich an die patriotischen Gefühle der Wähler zu appellieren.
Parole: Wir sind Sachsen, wer ist mehr?
(Das Wort "Sachsen" ist je nach territorialer Gegebenheit auszuwechseln. Zum Beispiel: Wir sind Kleinkleckersdorfer, wer ist mehr?)
11. Regel: Wer gegen die Demokratie polemisiert, ist automatisch ein Honecker-Fan und ehemaliger Informant der Stasi.
Beachte: Gib erst zu, dass Du wirklich ein Zuträger warst, wenn Du Deine Ministerpension im Sack hast.
12. Regel: Ein Abgeordneter ist einer derjenigen einer Partei, die im Parlament oder in einer anderen Bürgervertretung immer dann den Arm heben, wenn ein Antrag ihrer Partei zur Abstimmung gelangt. Ansonsten glänzen sie durch Abwesenheit, Schwatzhaftigkeit und Taubheit gegenüber den Argumenten der Abgeordneten anderer Parteien.
Hinweis: Ein Abgeordneter sollte sich niemals wegen der Höhe seiner Bezüge schämen.
13. Regel: Das Parlament ist der Ort, wo alle gewählten Vertreter des Volkes ab und an vollständig beisammen sitzen und Schicksal spielen.
Bedenke: Der Begriff "Parlament" kommt nicht von "Parlaver" bzw. "Palaver" wie man die Ratsversammlung bei Negerstämmen nennt, sondern von parlieren, was zu gut Deutsch "schwätzen" heißt.
1991
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